Always a Pleasure
In the pursuit of beauty, there can be no shortcuts. We might even say that there can be no such pursuit insofar as, once beauty becomes an end in itself, its chances of ever appearing are significantly diminished. For Thilo Heinzmann, in any case, beauty is not an end in itself. But the ‘no shortcuts’ part – that part is crucial to understanding this artist’s work, in which countless careful steps have been taken in myriad directions, slowly building up a painterly language as multifarious as it is grammatically tight-knit.
Heinzmann orchestrates his painterly gestures, ranging from the minimal through the brutal, the beautiful and the funny, within a closely established framework. This is part of their special openness to call-and-response, to be conjured under the influence, in proximity and conversation with other things. To not merely read but see – to really be with this work – confers the impression that Heinzmann collects moves and adds them to the repertoire. The immense joy that there is in this expansion is evident in the works, an untiring curiosity at an unending experiment.
Heinzmann‘s pigment paintings have become more and more colorful and, with that, have increasingly begun to embrace connotations. But more than that they have become painterly in the straightforward sense that paint has been applied to them – liquid paint. There are brush and fingermarks. With these works Heinzmann steps into the full potential of the language he’s developed. There is an element of play here, language come apart and put back together. What the post-structuralists called jouissance: the pleasure of language as it transgresses its own boundaries.
The most recent paintings contain these traces: fingers dragged across the canvas; that reified gesture, the brush stroke. As materials stray and meanings seep in, we recognise the contamination that has always characterised Heinzmann’s way of working. Even as he testifies to having looked for what is ‘right’, he has also always been on this other path, mixing registers, playing around. Where these latest paintings feel different, is that all those years of parallel strides of purity and contamination seem to have made possible a more straightforward expression of beauty. Traditional paint, actual brush strokes, high abstraction. The tension here is not between vulgar materials and ‘fine’ art, but in this oscillation, finely calibrated now for three decades, between controlling a gesture – an impulse, a thought – and setting it free.
Kristian Vistrup Madsen (excerpts from: "Also – Ways Through the Work of Thilo Heinzmann", in: Thilo Heinzmann, Zurich 2025, pp. 20-28)
Always a Pleasure
Beim Streben nach Schönheit gibt's keine Abkürzungen. Mehr noch: ein solches Streben bleibt an sich aussichtslos. Denn gerät das Schöne zum Endzweck, verringern sich die Chancen erheblich, dass es tatsächlich jemals in Erscheinung tritt. Für Thilo Heinzmann jedenfalls ist das Schöne niemals Endzweck. Doch der Teil „keine Abkürzungen“ ist es, der zum Verständnis des Werks des Künstlers entscheidend beiträgt. Ein Werk, in dem zahllose umsichtige Schritte in eine Vielzahl von Richtungen getan wurden, die sorgfältig eine malerische Sprache aufgebaut haben, die ebenso mannigfaltig wie zugleich auch grammatisch engmaschig ist.
Heinzmann orchestriert seine malerische Gestik, die vom Minimalistischen über das Brutale bis hin zum Schönen und Komischen innerhalb eines straff organisierten Rahmengerüsts reicht. Dies ist Teil einer besonderen Offenheit für ein Ruf-Antwort-Schema, das unter dem Einfluss, in Nachbarschaft und im Gespräch mit anderen Dingen hervorgezaubert wird. Wenn man nicht bloß liest, sondern schaut – wirklich bei seiner Arbeit ist – legt sich der Eindruck nahe, dass Heinzmann Bewegungen sammelt und dem Repertoire hinzufügt. Die immense Freude, die diese Ausweitung mit sich bringt, wird in seinen Arbeiten deutlich, eine unermüdliche Neugierde an einem unabschließbaren Experiment.
Heinzmanns Pigmentmalereien gestalteten sich mehr und mehr farbenprächtig und begannen gleichzeitig in zunehmenden Maß Assoziationen zu akzeptieren. Doch darüber hinaus sind sie auch malerischer geworden, rundheraus deshalb, weil Farbe angewandt wurde – Flüssigfarbe. Es gibt Pinsel- und Handabdrücke. Mit diesen Arbeiten kommt Heinzmann zum vollen Potenzial der Sprache, die er entwickelt hat. Hier gibt es eine Komponente des Spiels, die Sprache gerät aus den Fugen und wird wieder zusammengesetzt. Das ist es, was die Poststrukturalisten jouissance nennen: die Lust der Sprache, wenn sie ihre eigenen Grenzen überschreitet.
Die neuesten Arbeiten weisen diese Spuren auf: Finger, die über die Leinwand gestrichen haben; die vergegenständlichte Geste des Pinselstrichs. Wenn die Materialien herumstreunen und die Bedeutung einsickert, dann bemerken wir die Verunreinigung, die immer schon Heinzmanns Arbeitsweise ausgemacht hat. Selbst wenn Heinzmann erklärt, nach dem zu sehen, was „richtig“ ist, bewegt er sich doch immer auch auf diesem anderen Pfad, mischt die Register, spielt herum. Warum diese neuesten Bilder anders sind, liegt daran, dass all diese Jahre der parallelen Fortschritte durch Reinheit und Verunreinigung einen freimütigeren Ausdruck der Schönheit möglich gemacht haben. Traditionelle Farbe, effektive Pinselstriche, hohe Abstraktion. Die Spannung liegt dabei nicht zwischen unfeinen Materialien und einer „fine“ art, sondern in dieser Oszillation, die feinsinnig jetzt seit drei Jahrzehnten justiert wurde. Zwischen der Kontrolle einer Geste – eines Anreizes, eines Gedankens – und ihrer Freisetzung.
Kristian Vistrup Madsen (Auszüge aus: "Auch – Wege durchs Werk von Thilo Heinzmann", deutsch von Andreas L. Hofbauer, in: Thilo Heinzmann, Zürich 2025, S. 162-170)